Die Katze vom Haus am See

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Michelfelder Fußballer mit außergewöhnlicher Bilanz „im Kasten“ – „Geburtstags-Interview“ mit ASV-Torhüter

Michelfeld/Auerbach (obl)
Beim Handball und Eishockey hat die Leistung des Torwarts einen relativ hohen prozentualen Anteil am Mannschaftserfolg.  Beim Fußball können Keeper mit besonderen Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit eines Sieges des  eigenen Teams erhöhen. Auf die Nummer eins des ASV Michelfeld (Stadt Auerbach in der Oberpfalz, Fußball-Bezirk Mittelfranken), Tabellenzweiter der  Kreisklasse 3 Erlangen/Pegnitzgrund der Herren,  ist Verlass – auch in Corona-Zeiten.

Der super-sprungstarke Schlussmann Stefan Sattler hinterlässt mit körperlicher Normalgröße und eher schlanker Statur kein klassisch-klischeemäßges  Türsteher- oder Security-Escheinungsbild, bewacht aber „sein“ Tor auch äußerst gewissenhaft.  Er gehört in die Kategorie „mitspielender Torhüter“ im modernen Fußball der heutigen Zeit, der als technisch guter Kicker brenzliche Situationen mit einem überlegten Pass lösen und den Spielaufbau aus der eigenen Hälfte mit einem klugen flachen Zuspiel  zu einem Mitspieler einleiten kann. Auf der Linie überzeugt er durch seine Reaktionsfähigkeit. Vor ihm agiert meistens eine „sattelfeste“ Defensive, was vor allem die niedrige Anzahl der Gegentore des ASV Michelfeld  in der Kreisklasse seit 2016/17 beweist (32, 24 und aktuell zehn in 13 Spielen). Zwischenzeitlich 2018/19 in der Kreisliga hagelte es 79 Einschüsse.

Im Juniorenbereich spielte der junge Sattler (sein Vater ist Betreuer der 1. Mannschaft), der in Auerbach in der Nähe eines Gewässers wohnt (deswegen die Überschrift des Artikels),  in der JFG Auerbacher Land in diversen Altersstufen in der Kreisliga. Er spielt nun schon in der sechsten Saison im Herrenbereich des ASV Michelfeld – vier Jahre Kreisklasse, eine Spielzeit Kreisliga (2018/19) und nun wieder Kreisklasse. Bemerkenswert sind dabei zwei Dinge: In den letzten vier Saisons verpasste Stefan Sattler nur ein Punktspiel wegen Urlaub und bei  37 von 102 Einsätzen blieb er ohne Gegentor (in den letzten sechs Jahren im Herrenbereich in Punktspielen insgesamt 44 Mal) – dabei 17 Mal in der Aufstiegssaison 2017/18 und in sieben von 13 bisher ausgetragenen Spielen in der aktuellen Runde.

Sportreporter Ralph Strobl, der alle Spiele von Stefan Sattler in den letzten sechs Jahren live vor Ort am Platz sah, hat ihn rechtzeitig in dieser Woche befragt.

Hallo Herr Sattler junior. Zunächst Glückwunsch zum 24. Geburtstag am heutigen Samstag (Tag der Veröffentlichung des Interviews).  Am 13. März war der Fußball-Shutdown und Sie haben als Torhüter seitdem folglich kein Gegentor kassiert – sind quasi seit über drei Monaten im „Zu-Null-Staus“ (nach ihren zahlreichen Spielen ohne Gegentreffer in den letzten Jahren) und der ASV Michelfeld seit März unbesiegt. Wie sehr schmunzeln Sie über diese „Extra-Statistik“?
Stefan Sattler: Erst einmal Danke für die Glückwünsche zum Geburtstag. Im ersten Moment hört sich die Statistik natürlich perfekt an, da wir am liebsten gewinnen und das im besten Fall auch zu Null.(lacht) In der aktuellen Situation ist sie aber nicht besonders viel Wert.

Welche kreativen Trainingsübungen haben Sie, speziell als Torhüter, in der schlimmsten Phase der corona-bedingten Fußball-Pause (März/April) durchgeführt – ohne dabei zuviele „Geheimnisse“ zu verraten? Zum Beispiel Ball-Fangtechnik-Elemente in der eigenen Wohnung oder im Garten …
Stefan Sattler: Als das strikte Kontaktverbot galt, haben wir recht früh damit begonnen über Videoanrufe in kleinen Gruppen zu Hause Workouts zu machen. Meistens waren das Fitnessübungen, manchmal auch Übungen mit dem Ball und einmal hat der Coach auch ein Workout erstellt, bei dem alle ein klassisches Towarttraining machen konnten. Ansonsten habe ich versucht meine Reaktionszeit über die PlayStation aufrecht zu halten (lacht).


Stefan Sattler.
Foto: Ralph Strobl.

Ab 11. Mai war Kleingruppen-Training freigegeben. Seit dem 8. Juni darf Gruppentraining mit maximal 20 Personen stattfinden. Bei den Herrenfußballern des ASV Michelfeld wurde beziehungsweise wird diese Form praktiziert. Werden Sie seitdem mit intensivem Torschuss-Training (das neben Passübungen erlaubt ist) „bombadiert“ oder halten Sie sich beiderseits noch zurück, zumal Mannschaftstraining (mit Zweikämpfen) wohl erst Mitte/Ende Juli von der Bayerischen Staatsregierung gestattet ist?
Stefan Sattler: Bei den Trainingseinheiten in Kleingruppen am Platz gibt es freilich auch immer Torschuss. Meistens legen die Jungs am 16er auf und versuchen mir die Bälle um die Ohren zu jagen. Da gibt es schon oft lustige und hitzige Duelle auch ohne Körperkontakt - der Verlierer muss ja immer „pumpen“. Trotzdem freu ich mich darauf, wenn wir wieder komplett normal trainieren können.

Ab 1. September soll die unterbrochene Saison 2019/20 fortgesetzt werden. Der ASV Michelfeld hat – bei 20 möglichen Terminen – noch 17 Spiele bis allerspätestens 16. Mai 2021 und eventuell danach noch Entscheidungs- und Relegationsspiele zu absolvieren. Wie schätzen Sie die allgemeine Lage ein und ist ein Wiederaufstieg der ASV-Kicker in die Kreisliga realisierbar?
Stefan Sattler: Ob die Saison dieses Jahr noch fortgeführt wird, kann ich ehrlich gesagt nur schwer einschätzen. Sollte sie aber tatsächlich fortgesetzt werden, wollen wir wie bereits in der Hinrunde nach dem Abstieg so lange wie möglich oben mitspielen. Was am Ende dann dabei rumkommt, werden wir sehen. Die Mannschaft hat auf jeden Fall das Potenzial zum Aufstieg, es hat sich ja seit dem Aufstieg vor zwei Jahren am Kader nicht so viel verändert und der Coach leistet zudem auch gute Arbeit.  Zum Schluss möchte ich gerne die Plattform nutzen, um allen zu danken, die während der Coronazeit „den Laden“ am Laufen halten.

Vielen Dank für das Interview.