Gestutzte Hoffnung

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Fortsetzung im Juniorenfußball noch nicht fix  - Spielpause bis mindestens 1. September - Interview mit U19-Coach

Auerbach/Michelfeld/Pferrach (obl)
Das Runde Leder ruht derzeit noch in Bayern im Amateur- und Breitensport – sowohl der Trainings- als auch der Wettkampfbetrieb. Ein „Lichtblick“ ist seit dieser Woche, dass ab Samstag, 16. Mai zumindest die 1. und 2. Fußball-Bundesliga der Herren ohne Zuschauer ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen darf. Gerade im Nachwuchsbereich ist noch viel Geduld gefragt, was ein Gespräch mit dem Trainer der A-Junioren der hiesigen SG Auerbach (Zweiter der Herbstrunde in der U19-Kreisliga Amberg/Weiden) beweist.

Stefan Linhardt stammt aus Pferrach, einem Auerbacher Ortsteil zwischen Nasnitz und Michelfeld. Der 36-Jährige trainierte zwei Jahre die B-Junioren, ehe er in dieser Saison die A-Junioren der SG Auerbach mit Standort in Michelfeld übernahm.

Für seinen Heimatverein ASV Michelfeld spielte er in der zweiten Mannschaft als Stürmer und nach einem Kreuzbandriss als Aushilfs-Torhüter. Sein letzter Einsatz als Keeper war am Sonntag, 6. September 2015 im Auswärtsspiel bei der SG FC Thuisbrunn II/SC Egloffstein II mit einem 0:1-Erfolg.

Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann informiert über Jugendspielbetrieb
An der vier BFV-Junioren-Webinaren (vom Freitag, 24. April bis Montag, 27. April) nahmen 2346 Jugendleiter aus rund 4600 Vereinen in Bayern teil. Es wurde eine Lösungsarbeitsgruppe „Spielbetrieb Junioren und Juniorinnen“ gebildet, die Antworten auf Fragen erarbeiten und zu gegebener Zeit vorstellen soll. Derzeit ist (wie im Herrenbereich) gemäß politischer Anordnung ein Spielbetrieb frühestens ab dem 1. September möglich, im Juniorenbereich in Bayern idealerweise ab dem 12./13. September. Im nächsten Schritt geht es seit dieser Woche um die Ausarbeitung und Vorstellung eines Lösungsvorschlages (Abstimmung ist derzeit unklar). Die Altersstufen im Groß- und Kleinfeldbereich beziehungsweise im aufstiegsberechtigten und nicht aufstiegsberechtigten Spielbetrieb werden differenziert betrachtet. Es gibt derzeit vier mögliche Szenarien: Saisonverlängerung, Abbruch mit Annullierung, Abbruch mit einem Aufsteiger und ohne Absteiger beziehungsweise Abbruch mit einem Aufsteiger und einem Absteiger.

Sportreporter Ralph Strobl hat am Mittwoch Stefan Linhardt (nicht verwandt mit dem Michelfelder Kurt Linhardt, dem Ehren-Lehrwart der Fußball-Schiedsrichter-Gruppe Pegnitzgrund) befragt. Vier Fragen – vier Antworten:

Herr Linhardt, seit Freitag, 13. März – also seit rund zwei Monaten– ruht in Bayern wegen der Corona-Pandemie der komplette Fußball-Spielbetrieb. Rund 175 Nachwuchskicker der SG Auerbach, darunter etwa 20 A-Junioren (U19-Kreisliga Amberg/Weiden), können seitdem nicht zusammen kicken. Wie sehr schmerzt derzeit die allgemeine Lage, jungen heranwachsenden Menschen keine sozialen Kontakte und sportliche Betätigung beim organisierten Fußball ermöglichen zu können?
Stefan Linhardt: Natürlich schmerzt es mich sehr, den Jungs nicht die Möglichkeit zu bieten Fußball zu spielen oder ihre Kameraden zu sehen auch weil die Kameradschaft bei uns sehr hoch ist. Für einige ist es auch das letzte Jahr vor den Vollmannschaften. Da möchte ich als Trainer natürlich den Jungs noch vieles mitgeben. Mir fehlen die Jungs natürlich sehr. Es macht Spaß mit ihnen zu trainieren und gegen den Ball zu hauen. Aber nichts desto trotz es ist wichtig, alle zu schützen  - Trainer, Betreuer,  Spieler, Eltern und da geht die Gesundheit einfach vor. Und das verstehen wir alle.

Auf welche Art und wie oft sind Sie seit dem „Shutdown“ mit ihren „Schützlingen“ in Kontakt und wie fit beziehungswiese motiviert sind die Jungs aktuell?
Stefan Linhardt:  Klar ist man ab und zu in Kontakt. Es kommen auch oft die Fragen „Trainer, wann geht es weiter?“ oder ob ich schon was Neues weiß.  Es macht mich dann selber traurig, diese Fragen noch nicht beantworten zu können. Aber ich glaube nur alleine durch diese Fragen sieht man, dass die Jungs heiß auf Fußball und wie motiviert sie sind. Den Fitnesszustand kann man aus der Ferne schwer beurteilen, aber ich habe sie natürlich gebeten sich selber fit zu halten es gibt ja so viele Möglichkeiten. Ich vertraue den Jungs, dass sie sich nicht nur vor die Konsole setzen und auch sportlich aktiv sind. Ich kenne meine Jungs ja jetzt schon seit drei Jahren und da kennt man natürlich seine Spezialisten. Aber da gibt es halt dann die gewissen Extra-Runden am Platz (lacht).


Stefan Linhardt.
Foto: Ralph Strobl.

An diesem Mittwoch traf sich die Bundeskanzlerin mit den 16 Ministerpräsidenten in Deutschland. Zunächst sind nur kontaktlose Individualsportarten wie zum Beispiel Tennis erlaubt – Mannschaftssportarten wie Fußball (Training in Kleingruppen mit gewissen Regeln) noch nicht. Wie  beurteilen Sie diese Entwicklung und haben Sie schon „Pläne“ für das neuartige Outdoor-Training für ihre Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten ausgearbeitet?
Stefan Linhardt: Ich würde es sehr begrüßen endlich wieder auf den Platz zu gehen aber wie schon gesagt: Die Gesundheit geht natürlich vor und ist das Wichtigste. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, wie wir dann trainieren können. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Man muss auch abwarten, wie groß die Gruppen sein dürfen. Es ist wichtig, dass die Jungs mal wieder gegen den Ball treten und ihre Kumpels treffen, auch wenn es dann in kleinen Gruppen ist.

Befürchten Sie durch den aus mehreren Gründen durchaus gravierenden und wohl noch bis mindestens bis 1. September andauernden Spielausfall für die hiesigen Fußball-Junioren mittel- und langfristig eher negative Folgen (zum Beispiel Wegfall von Spielern, Betreuern und Mannschaften) und/oder positive Auswirkungen (Stärkung des Solidaritäts-Gedankens Jugend/Erwachsene/Ältere, ausgeprägterer Gemeinschafts- und Teamgeist oder Ähnliches)?
Stefan Linhardt: Es ist natürlich eine sehr schwere Zeit und man macht sich seine Gedanken. Aber so wie ich meine Jungs kenne, kommen sie alle wieder zurück zum Training und zu den Spielen  - ob alte oder neue Saison. Sie wollen Fußball spielen. Deswegen stimmt mich das positiv. Ich hoffe natürlich, dass es bei den anderen Mannschaften und Spielern, Trainern, Betreuern genau so ist. Der Fußball im Jugendbereich ist sehr wichtig für unsere Stammvereine SV 08 Auerbach und ASV Michelfeld.  Ohne Jugend geht es nicht und das wissen auch alle und wollen ihre Stammvereine unterstützen. Da sind wir auch mit den Trainern immer in Kontakt und tauschen uns aus.

Vielen Dank für das Interview.

Info-Box:
SG Auerbach (Fußball, Junioren, männlich)
Sportlicher Leiter: Bernhard Schubert. Jugendleiterin Großfeld: Kathrin Gsell. Jugendleiterin Kleinfeld: Janina Hudert und Christina Simon. Anzahl Mannschaften: Neun (von A- bis G-Junioren). Anzahl Spieler: 178 (davon 78 im Großfeld- und 100 im Kleinfeldbereich). Anzahl Trainer und Betreuer: 33. Stammvereine: SV 08 Auerbach (federführend), ASV Michelfeld.